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Die Natur - "Lehrmeisterin" der Technik


„Neben einem ornamental-rhythmisch schaffenden Urtrieb, der überall in der Natur waltet, baut die Pflanze nur Nutz- und Zweckformen.“

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 Cucurbita, Kürbisranken.

Das schreibt Karl Blossfeldt (1865 – 1932) in seinem 1932 in Berlin erschienen Buch „Wundergarten der Natur“, in dem er die Natur als „Lehrmeisterin“ der Kunst und der Technik bezeichnet. Von ihm stammen die Fotografien unserer Website - © Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/München 2011.

Nach einer Lehre als Bildhauer und Modelleur studiert Karl Blossfeldt Malerei und Musik und unterrichtet vom Ende des 19. Jahrhunderts an mehr als 30 Jahre lang an der Lehranstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin Pflanzenzeichnen und Modellieren, erst als Dozent, dann als Professor.

Mit einer selbstgebauten Plattenkamera fertigt Karl Blossfeldt circa 6.000 Fotografien. Er denkt dabei nicht an Kunst. Er will Unterrichtsmaterialien herstellen, Zeichenvorlagen für seine Studenten. Diesem Zweck entsprechend ähneln sich seine Fotografien in ihrem strengem Aufbau und in ihrer Technik: Neutraler Hintergrund, diffuses Licht, um Schatten zu vermeiden, Formate - je nach Pflanzenmaterial – 6x9, 9x12 oder 13x18.

Einem späteren Abdruck seiner Fotografien in „Das Deutsche Lichtbild“ können wir exemplarisch folgende technische Angaben zu einem Bild entnehmen: „9x12, Aplanat 1:36, F = 50 cm, offene Blende, ohne Filter, Satrap-Braunschicht-Platte, belichtet zwischen 8 und 12 Minuten, im Atelier, gedämpftes Tageslicht.“

Mit seiner schnörkellosen Arbeitsweise, mit seinen Fotografien ganz im Dienst der Pflanzen und ihrer Struktur, schafft Karl Blossfeldt, ohne es angestrebt zu haben, einen ganz eigenen sachlichen Stil. Der Berliner Galerist Karl Nierendorf erkennt die künstlerische Linie des Blossfeldtschen Werks, organisiert 1926 eine Ausstellung. 1928 erscheint Blossfeldts erstes Buch „Urformen der Kunst“. Blossfeldt wird über Nacht berühmt.

Blossfeldts Werk wird heute vom Archiv Ann und Jürgen Wilde in Zülpich betreut, bei dem wir uns für die freundliche Unterstützung bedanken. Wir weisen auch gerne auf das Mappenwerk „Urformen der Kunst“ hin, das über das Archiv (Fax +49 2252 834988) erworben werden kann.

Karl Blossfeldts Fotografien scheinen die Illustration heutiger Forschung vorwegzunehmen:

„Aufgabe der Bionik ist, relevante Phänomene in der belebten Natur zu erkennen, sie zu beschreiben, zu abstrahieren und damit der technischen Umsetzung zugänglich zu machen.“ (Berichte aus der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, 1/2008, „Bionik, Schnittstelle zwischen Natur und Technik“, Seite 6.)